Allgemeine Informationen über Sinti und Roma 


Ausstellung Rassendiagnose Zigeuner Loesungen Material Sinti- und Roma-Ausstellung.


Thema 1: Kritik an dem Begriff „Zigeuner“


1. Der schlafenden, der rauchende und der Geige spielende „Zigeuner“ stehen für eine scheinbar sorgenfreie, müßiggängerische Existenz → „Lustig ist das Zigeunerleben“, Sehnsucht nach freiem Leben
→ Gegenentwurf zum bürgerlichen Leben (Fleiß und Vorsorge)


2. „Zigeuner“ ist eine Fremdbezeichnung und wird von den meisten Sinti und Roma als diskriminierend abgelehnt
Vorurteile und Stereotype: wild und einfach, nicht sesshaft (Wandervolk); grundlegender Unterschied zur eigenen Werteordnung.

3. Sinti und Roma stammen ursprünglich aus Indien → aber heute: heterogene Gruppe
Sinti: Teilgruppe der Minderheit, die seit Beginn des 15. Jahrhunderts in Deutschland und
den Nachbarländern lebt Roma: die Teilgruppe, die seit dem Mittelalter in Ost- und Südosteuropa lebt.

4. Die Sinti und Roma empfinden den Begriff „Zigeuner“ als diskriminierend und sie setzten sich im Rahmen ihrer Bürgerrechtsbewegung dafür ein, dass die Bezeichnung „Sinti“ und „Roma“ in der Öffentlichkeit genutzt werden. Dadurch sollten Mechanismen für Vorurteile und Ausgrenzung verdeutlicht werden.


Antworten: Thema 2: Sinti und Roma als „Fremdrassige“ / Totale Erfassun.

1. In der Ideologie der Nazis wurden Menschen nach Rassen klassifiziert. Diese „Rassen“ wurden dann in höherwertige („Herrenmenschen“) und minderwertige („Untermenschen“).
Nach dieser Ideologie wurden Juden und Sinti und Roma zu „artfremden Rassen“ erklärt.

2. Auf den Tafeln gibt es hierfür keine eindeutige Antwort.
Möglich: Verweis auf die Abstammung (waren keine „deutschblütigen“) bzw. auf die
Vorurteile oder auf die pseudowissenschaftlichen Versuche der „rassehygienischen Forschungsstelle“

3. Es sollten alle im Reiche lebenden Sinti und Roma erfasst und rassebiologisch untersucht werden.
Unter der Leitung Dr. Robert Ritters wurden Verwandtschaftsverhältnisse ermittelt und in Stammbaumtafeln festgehalten, aufwändige Vermessungen durchgeführt und anthropologische Fotografien erstellt.
Anhand dieser Gutachten wurden Menschen zu „Zigeunermischlingen“ bzw. „Zigeunern“ erklärt. Diese Gutachten dienten als Grundlage für Deportationen.

4. Wurde in dem Gutachten festgehalten, dass die Person ein „Zigeuner“ ist, bedeutete dies die massive Ausgrenzung aus dem Alltagsleben bis hin zur Deportation in die Lager im besetzten Polen.


Antworten: Thema 3: Formen der Ausgrenzung.

1. Formen der Ausgrenzung waren (insgesamt vergleichbar mit der Ausgrenzung der Juden): • Ausschluss aus Berufsorganisationen wie der Handwerkskammer oder der Reichskulturkammer.
• Aufgabe ihrer Geschäfte und Verdrängung von Arbeitern und Angestellten von ihren Arbeitsplätzen.
• Ausschluss von Kindern vom Schulunterricht oder Einrichtung von „Zigeunerklassen“
• ab 1941 Ausschluss aus der Wehrmacht.

2. Folgende Beispiele wären z.B. möglich:
• Versuch der Vertreibung aus dem eigenen Haus.
• Verbot des Besuchs von Parks und Spielplätzen.
• festgelegte Einkaufszeiten für „Zigeuner“ um „deutsche Frauen“ nicht zu stören.
• Auftrittsverbot von Musikern wie z.B. der Familie Schneeberger; Anton Rose durfte sein
Kino in Darmstadt nicht weiterführen.
• Sinti- und Roma-Kinder waren Teil ihrer Klassengemeinschaft und hatten z.T. Kommunion
und wurden später nach Auschwitz deportiert.
• Verhaftung und Deportation von Wehrmachtsangehörigen mit hohen Auszeichnungen, weil
ein Vorfahre „Zigeuner“ war.

3.  Boxer Johann Trollmann errang im Juni 1933 den Titel des Deutschen Meisters im Halbschwergewicht → wurde ihm wenige Tage später wieder aberkannt, weil er Sinto war; er wurde 1944 in einem Außenlager des KZ Neuengamme ermordet.


Antworten: Thema 4: Deportationen.


1. Deportation der Sinti und Roma aus dem Sammellager Hohenasperg in das besetzte Polen am 22. Mai 1944.

2. Im April 1940 ordnete Heinrich Himmler die Deportation von 2.500 Sinti und Roma in das „Generalgouvernement Polen“ an.
In Hamburg, Köln und Asperg bei Ludwigsburg wurden Sammellager eingerichtet, von denen aus die Deportationszüge in die Zwangsarbeitslager im besetzten Polen fuhren (z.B. im Ghetto Lodz innerhalb des Ghettos für Juden ein gesondertes „Zigeunerlager“). In den Lagern mussten sie schwerste Zwangsarbeit leisten (auch alte Menschen und Kinder).
Alltag: Hunger, Kälte, Krankheiten (z.B. Fleckfieber) und brutale Misshandlungen, woran viele der Sinti und Roma starben; auch zu gezielten Exekutionen.

3. Deportationen von Sinti und Roma weiteten sich mit dem Einmarsch deutscher Truppen in andere europäische Staaten aus. Überall in besetzten gebieten wurden Sinti und Roma verfolgt, in Lagern inhaftiert und ermordet (direkt vor Ort oder in den Lagern). Auch in verbündeten faschistischen Regimen wurden Roma verfolgt.
Karte: in großen Teilen Europas gab es Deportationen und Erschießungen von Sinti und Roma sowie Lager, in denen Sinti und Roma nachgewiesen sind.


Antworten: Thema 5: Massenerschießungen.

1. In allen Ländern war der Ablauf ähnlich: Nach dem Einmarsch deutscher Truppen wurden Tausende Roma und Sinti Opfer von Massenerschießungen durch Exekutionskommandos (SS, Polizei, Wehrmacht). Opfer waren einheimische Roma und in Polen auch in das Generalgouvernement deportierte Sinti aus Deutschland. Oft wurden Frauen, Männer und Kinder an Ort und Stelle erschossen und in Massengräbern verscharrt. Viele weitere Sinti und Roma kamen in Ghettos und Vernichtungslagern ums Leben.

2. In dem polnischen Dorf Szczurowa: Häuser der Roma wurden in den frühen Morgenstunden umzingelt → Roma wurden auf die Brücke geführt, von hier mit Wagen zum Friedhof, wo die Exekutionen dann stattfanden.

3. Krystyna Gil konnte einem Massaker/einer Massererschießung in Szczurowa durch Flucht entgehen. Bei dem Massaker starben 93 einheimische Roma.


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