Allgemeine Informationen über Sinti und Roma                          

Die deutschen Sinti sind eine alteingesessene nationale Minderheit in Deutschland. Sie ist seit dem 14. Jahrhundert in Deutschland ansässig. Dieser Minderheit gehören etwa 70.000 Angehörige an.

(Ungarische, Polnische, Deutsche Roma) leben seit dem ende des 18. Jahrhunderts im deutschen Sprachraum, ihre Zahl wird auf ca. 30.000 geschätzt.

 

  • Der Begriff "Zigeuner" ist eine in seinen Ursprüngen bis ins Mittelalter zurückreichende Fremdbezeichnung der Mehrheitsbevölkerung und wird von der Minderheit als diskriminierend abgelehnt.
  • Die Bürgerrechtsbewegung   der Sinti und Roma konnte schließlich durchsetzen, dass die Eigenbezeichnung "Sinti und Roma" verwendet wird.
  • Die deutschen Sinti und Roma sind in der Bundesrepublik Deutschland als nationale Minderheit anerkannt.
  • Das heißt, sie sind Deutsche mit einer eigenen Kultur und Sprache, wie Sorben, Dänen und Friesen.
  • In Deutschland sind Sinti seit 600 Jahren beheimatet.
  • Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts wurden Sinti und Roma in fast allen europäischen Ländern urkundlich                 erwähnt.
  • Seit dieser Zeit werden Sinti und Roma stetig diskriminiert und verfolgt. Ein Höhepunkt der Diskriminierung stellte der Reichstag zu Freiburg 1498 dar, auf dem "Zigeuner" reichsweit für "vogelfrei" erklärt, also geächtet, wurden.
  • "Zigeunerpolitik" war fortan hauptsächlich von Abwehr und Vertreibung gekennzeichnet. Wer dennoch blieb,       musste mit Zwangsarbeit und Markierung per Brandzeichen rechnen. Mit der Aufklärung ab etwa 1800 stiegen      zwar die Aussichten auf eine Zugehörigkeit zur Mehrheitsgesellschaft, doch um den Preis der Zwangsassimilation.
  • Nach dem Ersten Weltkrieg verschärfte sich die Situation für Sinti und Roma noch mehr. Generalstaatskommissar


Gustav Ritter von Kahr, Monarchist und Antisemit, setzte 1924 eine "Anordnung zur Bekämpfung der Zigeuner" in Kraft. Ab 1926 konnten die Behörden völlig willkürlich, aber juristisch gedeckt, Maßnahmen einleiten, denn der Landtag verabschiedete gegen die Stimmen von SPD und KPD das "Gesetz zur Bekämpfung von Zigeunern, Landfahrern und Arbeitsscheuen". Arbeitsscheu - ein Kampfbegriff, mit dem kurze Zeit später die  Nationalsozialisten unter anderem die Verfolgung der Sinti und Roma begründeten.

  • Mit dem bayerischen "Zigeunergesetz" von 1926 hatte sich die Situation für Sinti und Roma schon vor                 Hitlers Machtübernahme erheblich verschärft. Nach 1933 waren "Arbeitsscheue" und "Asoziale" - im NS-Jargon     lebten die Begriffe der 1920er-Jahre fort - noch mehr im Visier der Behörden.
  • Ab 1935 begann die offizielle Verfolgung aus rassistischen Gründen. Mit den Nürnberger Gesetzen wurden              nicht nur Juden, sondern auch Sinti und Roma herabgestuft, obwohl sie im Sinne der Nationalsozialisten                 wegen ihrer indischen Herkunft eigentlich hätten als "Arier" eingestuft werden müssen. Begründet wurde               dies pseudowissenschaftlich: "Artfremdes Blut ist alles Blut, das nicht deutsches Blut ... ist", schrieben                 Wilhelm Stuckart und Hans Globke, später Kanzleramtschef unter Konrad Adenauer, in den Kommentar von 1936  zu den Nürnberger Gesetzen.
  • 1937 richteten die Nazis eine "Rassenhygienische Forschungsstelle" ein. Deren Leiter Robert Ritter spielte              eine maßgebliche Rolle bei der Erfassung der Sinti und Roma. Er ließ 24.000 "Rassegutachten" erstellen -                die Vorarbeit für den Genozid.
  • Im Holocaust wurden etwa 500.000 Sinti und Roma ermordet.
  • Am 17. März 1982 erkennt der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt die nationalsozialistischen Verbrechen      an den Sinti und Roma erstmals als Völkermord aus Gründen der Rasse an.
  • Eine Umfrage aus dem Jahr 2014 besagt, dass jeder dritte Deutsche nicht neben Sinti und Roma wohnen will.         Das ist ein Ergebnis einer umfassenden Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS). Im Vergleich         zu anderen Minderheiten wird ihnen der Studie zufolge die mit Abstand geringste Sympathie entgegengebracht.   Bei der Frage: "Wie angenehm oder unangenehm wäre Ihnen eine bestimmte Gruppe in der Nachbarschaft?"        schnitten Sinti und Roma am schlechtesten ab, gefolgt von Asylbewerbern und Muslimen.                 
  • In der Umfrage wurde auch gefragt, wie ein gutes Zusammenleben mit Sinti und Roma erreicht werden könnte. 80 Prozent der Befragten schlugen vor, den Missbrauch von Sozialleistungen zu bekämpfen, 78 Prozent                forderten, Kriminalität zu bekämpfen und 50 Prozent meinten, die Einreise für Roma und Sinti sollte                beschränkt werden. Jeder Fünfte schlug eine Abschiebung aus Deutschland vor, 14 Prozent waren für eine               "gesonderte Unterbringung".


                                                     Reichskanzler Otto von Bismarck.

Sinti und Roma ohne deutsche Staatsbürgerschaft galten als Ausländer, die Kanzler Otto von Bismarck zur "Zigeunerplage" erklärte. Wie in den Zeiten vor der Aufklärung versuchte man, sie in großem Stil auszuweisen. Dazu überwachte man sie verschärft. 1899 richtete die königliche Polizeidirektion in München einen "Nachrichtendienst für die Sicherheitspolizei in Bezug auf Zigeuner" ein, obwohl sich zu diesem Zeitpunkt in Bayern Roma und Sinti nur in einer Anzahl im niedrigen dreistelligen Bereich aufhielten. Lokale Polizeistationen hatten jegliche umherziehende Gruppe der "Zigeunerzentrale" zu melden. In der Münchner Behörde liefen aber auch Daten aus ganz Deutschland zusammen. Bis 1925 legte sie über 14.000 Personalakten über Sinti und Roma an.

                             Zigeunerlager „Schwarz-Weiß-Platz“ Bickendorf 1934/1935


 

Historische Aufnahme (Dezember 1937): Eine Razzia im Internierungslager für Sinti und Roma in Köln-Bickendorf, dem sogenannten "Schwarz-Weiß-Platz".

Am Bahndamm des Güterbahnhofs im nordwestlichen Kölner Stadtteil Bickendorf errichtete die Stadt Köln 1934/1935 das sogenannte „Zigeunerlager Köln-Bickendorf“, welches aufgrund seiner Lage auf dem Gelände des Sportvereins Schwarz-Weiß (heute SC Schwarz-Weiss Köln 1912 e.V.) auch „Schwarz-Weiß-Platz“ genannt wurde.
Als erstes nicht von zentralen NS-Stellen, sondern von kommunalen Behörden geplantes, errichtetes und unterhaltenes Zigeunerlager kommt ihm eine Art „Vorreiterrolle“ für ähnliche Lager zu, deren Errichtung in den Jahren um 1937/38 eine regelrechte „Hochkonjunktur“ hatte, später waren diese Lager Ausgangsorte für Deportationen in die Konzentrationslager (KZ).

Das Lager in der Zeit des Nationalsozialismus: Planung, Errichtung und Betrieb
Im Zigeunerlager Bickendorf wurden in der NS-Zeit Sinti und Roma unter Aufsicht zwangsangesiedelt um – so die Diktion der nationalsozialistischen Ideologie – die „fremdrassigen und asozialen“ Zigeuner von ihrem „rohen und ungezügelten“ Wanderleben abzuhalten. Zusammen mit den – auch schon vor der NS-Zeit und teils auch heute noch – üblichen Vorurteilen hinsichtlich eines angeblichen „Hangs zum Diebstahl“ wurde das „Zigeunerleben“ als „bedrohlich für einen gesunden Volkskörper“ empfunden (Kraus 1999).
Deutlich anzumerken ist hier, dass dies die nationalsozialistische Diffamierung wiedergibt und nicht den tatsächlichen Sachverhalt, da die Menschen bereits lange sesshaft waren und keinesfalls asozial. Das Lager diente der rassistischen Trennung, der Durchsetzung von Zwangsarbeit, der rassenbiologischen Erfassung und polizeilichen Kontrolle sowie zur Deportation.Bereits im Jahr 1929 gab es seitens der Kölner Polizeiverwaltung Überlegungen, einen zentralen Zigeuner-Sammelplatz einzurichten.

Von einem Unrechtsregime wie dem NS-Staat darf natürlich keine „Rechtsgrundlage“ für das Vorgehen gegen die Sinti und Roma – so auch beim Einrichten spezieller Lager – erwartet werden. Verschiedene Erlasse der nationalsozialistischen NS-Zigeunerverfolgung hatten nicht unmittelbar mit dem Kölner Lager zu tun, können aber in diesem Kontext genannt werden:


Gedenktafel zum ehemaligen Barackenlager am "Schwarz-Weiß-Platz" in der Venloer Straße in Köln.


Als artfremde und minderwertige Rasse« wurden Sinti und Roma systematisch diskriminiert und verfolgt. Ab Mai 1935 wurden in Köln alle Wohnwagen von Sinti und Roma in einem Lager zwangsweise zusammengefasst, das als Muster für entsprechende Lager in anderen Städten diente. 1940 wurden 1 000 Sinti und Roma aus dem Rheinland in die Ghettos und Lager nach Polen deportiert, als erste Gruppe überhaupt. Ab 1943 wurden Sinti und Roma in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau verschleppt. Nur wenige von ihnen überlebten.

                                      Nationalsozialistische Zigeunerverfolgung als Rassenpolitik

»Zigeuner« leben seit dem Mittelalter in Europa und Deutschland. In Deutschland wurden sie 1407 und in Köln 1452 erstmals urkundlich erwähnt. Viele Sinti und Roma besaßen die deutsche Staatsbürgerschaft. Vor 1933 hatten sich in Köln einige hundert Familien der Sinti und Roma angesiedelt. Sie lebten in ihren Wohnwagen oder in Mietwohnungen, vor allem in Ehrenfeld und im Griechen Marktviertel. Bereits lange vor 1933 wurden Sinti und Roma an den gesellschaftlichen Rand gedrängt und diskriminiert. Schon im Kaiserreich und der Weimarer Republik wurden zahlreiche Gesetze, Erlasse und Verordnungen zur – wie es bereits hieß – »Bekämpfung der Zigeunerplage« eingesetzt.

Daran konnten die Nationalsozialisten nach ihrer Machtübernahme reibungslos anknüpfen, indem sie zunächst die bestehenden Gesetze restriktiv anwandten. Die sogenannten Wandergewerbescheine, die für die Ausübung eines ambulanten Gewerbes notwendig waren, »Zigeuner« verweigert, Sinti- und Roma-Kinder wurden aus öffentlichen Schulen ausgeschlossen und seit Februar 1939 – unabhängig vom Alter – in einer einzigen »Zigeunerklasse« unterrichtet, die in der Schule Löwengasse untergebracht war, in der ansonsten nur jüdische Schüler unterrichtet wurden. Später wurden Sinti und Roma von der Wehrpflicht ausgeschlossen und aus der Wehrmacht entlassen, obwohl »Zigeuner« im Ersten Weltkrieg gedient hatten und eine Reihe von ihnen bereits im Zweiten Weltkrieg eingezogen waren.

Die nationalsozialistische Zigeunerpolitik ging jedoch über die Fortführung und Verschärfung der bisherigen Gesetze weit hinaus. Das spezifisch Neue stellte die rassische Begründung für die Verfolgung dar. Zigeuner galten als eine »Art fremde und minderwertige Rasse« wodurch viele ihre Existenzgrundlage verloren. Aufgrund des »Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums« vom 7. April 1933 wurden sie wegen ihrer »nicht arischen Abstammung« aus dem Staatsdienst entlassen. Viele Zigeuner wurden zwangssterilisiert oder als »Asoziale« verfolgt. Die »Nürnberger Gesetze« von 1935 galten auch für Zigeuner. Eheschließungen zwischen »deutschblütigen Personen mit Zigeunern, Negern oder ihren Bastarden« waren verboten.

                                               Rassismus gegen Sinti und Roma. Aus der Mitte der Gesellschaft.

Rassistische Vorurteile gegen Sinti und Roma sind ein Problem – besonders im Kontakt mit Behörden habe, das existenzielle Auswirkungen auf Betroffene.
Wir beobachten, dass Menschen mit selbst- oder fremd zugeschriebenem Sinti und Roma inzwischen unter Generalverdacht zu stehen scheinen – bei den Behörden und ihren MitarbeiterInnen, aber auch in Schulen, gesetzlichen Krankenkassen, am Arbeitsplatz und im Kontakt mit Justiz- und Ordnungsbehörden.
Für sie sind Beleidigungen, Bedrohungen und sogar Angriffe eine schmerzliche alltägliche Erfahrung und etwas, womit im Kontakt zur Mehrheitsgesellschaft jederzeit zu rechnen ist.

Es bestehen anhaltende Probleme hinsichtlich der ablehnenden oder feind-seligen Einstellungen gegenüber Angehörigen der Minderheit der Sinti und Roma, und es sind erhebliche Anstrengungen erforderlich, um die effektive Teil-habe dieser Minderheit insbesondere am kulturellen, gesellschaftlichen und  wirtschaftlichen Leben zu gewährleisten, in Köln.                                           

Es kann auch gesagt werden, dass die Kölner -behörden, die politischen Verantwortlichen bis jetzt nicht gewillt sind, ihre Absichtserklärungen – ihre eigenen Grundsätze, die im europäischen Rahmenübereinkommen verankert und ratifiziert sind für die Angehörigen der nationalen Minderheit Sinti und Roma in Köln anzuwenden bzw. umzusetzen.
Haben die Kölner -behörden die Grundsätze des Rahmenübereinkommens – seit 1998 — umgesetzt bzw. Welche konkreten Schritte wurden unternommen, um ihrem eigenen Willen gerecht werden zu können bzw. ihre Verpflichtungen in der Realität umzusetzen!

Es ist festzustellen: Die in dem Abkommen zugesicherte Teilhabe der nationalen Minderheit steht im klaren Widerspruch zur Realität.