WDR Lokalzeit aus Köln. 08.04.2021. Sinti und Roma: Streit um das „Z-Wort“   

Interview mit Josef Schneeberger, Vereinigung der Sinti und Roma für Mensch und Rechte Köln e.V.

Die Nazizeit ist ein Grund, warum Sinti und Roma diskriminierende Bezeichnung Z-Wort ablehnen.

Das Z-Wort ist FREMDBEZEICHNUNG, Bis hin zu rassistischen Stereotypen.

1. Scheinheilig, 2. Hinterhältig, 3. Zieh-Gauner,  4.  Abschaum.    5.  Vagabund,   6.   Rassistisch,  7. Kriminell, 8. Nomaden, 9. Zigeunerpack, 10. Zigeunerzentrale, 11. Zigeuner-plage, 12. Zigeunerlager, 13. (Zigeunerart-umherziehenden-Personen),  14.  Zigeunerpersonenkartei,  15.  Zigeunereigenschaft,  16. Zigeunerstelle,  17.  Zigeunerregistratur,  18.  Zigeunerpolizeistellen,  19.  Zigeunerakte,  20.  Zigeunerplatz,  21.  Zigeuner-Ausweis,  22.  Zigeuner-Konzentrationslager,  23. „Zigeunerlager- Auschwitz,  24. Zigeunerfamilienlager- Auschwitz,  25.  Zigeunermischlinge,  26.  Zigeunerrasse,  27. Zigeuner-Frage,  28.  Zigeunerwurst,  29.  Zigeuner-Schnitzel,  30.  Zigeuner-Soße.

ALS SINTO WIRD MAN GEBOREN. ALS ROMA WIRD MAN GEBOREN. NICHT ALS ZIGEUNER.

Die Bezeichnung, Zigeuner‘ hingegen ist untrennbar verbunden mit rassistischen Zuschreibungen, die sich, über Jahrhunderte reproduziert, zu einem geschlossenen und aggressiven Feindbild verdichtet haben, das tief im kollektiven Bewusstsein verwurzelt ist. Ab dem 16. Jahrhundert setzte sich in Deutschland die (Irrige) Auffassung durch, „Zigeuner sei abgeleitet von „Ziehgauner“. Auch in einem der ersten Lexikonartikel zum Stichwort „Zigeuner“, 1848 im Brockhaus erschienen, wird dieser Zusammenhang explizit hergestellt. Dort findet man die ganze Palette negativer Stereotypen über unsere Minderheit aufgelistet, bis hin zu der Behauptung, „Zigeuner“ würden  Kinder stehlen. Noch in der 2. Auflage des Dudens sinn- und sachverwandter Wörter aus dem Jahr 1986 wird unter dem Stichwort „Zigeuner“ auf die Begriffe „Abschaum“ und „Vagabund“ verwiesen“ Definiert: „Beleidigung ist der rechtswidrige Angriff auf die Ehre der Sinti und Roma durch die vorsätzliche Kundgabe von Missachtung“.

Rechtspopulisten, machen es sich zum Nutzen, dass einige wenige deutsche Sinti oder Roma, nichts gegen das Wort „Zigeuner“ haben. Die Begründung, die Bezeichnung „Zigeuner“ müsse für zurückliegende Epochen beibehalten werden, um die historische Kontinuität und Realität zu verdeutlichen und im Weiteren auch aus Respekt vor denjenigen, die unter diesem Namen verfolgt wurden, zeugt von mangelnder Recherche und fehlenden Kenntnissen.

Wir lehnen auch die neue Bezeichnung die jetzt einige unwissende Sinti und Roma  befürworten ab!

Wenn einige Sinti oder Roma das Wort „Zigeuner“ für sich akzeptieren! Dann tun sie es mit Sicherheit  nur wegen ihres Berufes, denn heute noch üben Sinti und Roma Berufe aus, die die Mehrheitsgesellschaft schon in der frühen Neuzeit für sich in Anspruch genommen haben.

Wir Müssen wachsam sein, unsere Stimme erheben, gegen Antiziganismus aufstehen gemeinsam unsere Demokratie verteidigen. Dadurch ist es natürlich für populisten ein leichtes zu sagen!

Den Sinti oder Roma sich selbst „Zigeuner“ nennen. Obwohl diese Menschen wissen, dass Sinti und Roma die nichts gegen das Wort „Zigeuner“ haben, sich untereinander nie so nennen würden.

Diese Hetzer verschweigen natürlich die wahren Hintergründe, im Gegenteil sie setzen noch eins drauf, indem sie behaupten das sich Sinti und Roma schon immer „Zigeuner“ genannt haben, sie  Rechtfertigen es damit, dass sie sagen man brauche nur an die Ungarische „Zigeuner“ Musik zu denken, die man schon seit Jahrhunderte so bezeichnet, oder an den „Zigeuner“ Jazz, auch beziehen sich einige Rechtspopulisten, die das diffamierende  Wort Zigeuner unbedingt rechtfertigen wollen, auf alte Schallplatten-Cover mit der Aufschrift, Deutsche Zigeuner oder Schnukenack Reinhardt Quintett Musik, oder den berühmten „Zigeuner“ Gitarristen Django Reinhardt.

Kölner Musiker, sieht sich als "stolzen Zigeuner"


Zitat:Verena Lehmann: Verband Deutscher Sinti und Roma Baden- Württemberg.

Ähm ja. Und dieser Mann ist jetzt so wichtig mit seiner Meinung, dass ein Artikel über ihn gebracht wird, damit er sie -trotz Hinweis der Redaktion und ihm selbst, dass das Wort 'Zigeuner' von Politikern und Verbänden abgelehnt wird- jetzt noch weiter in die Welt tragen muss, damit Kölner Karnevalsvereine eine Rechtfertigung haben, weiter ihre 'Zigeunerzüge' zu haben...

Man bedenke Mal als Gegenbeispiel, was los wäre, wenn in den USA Interviews gedruckt werden würden, die für den weiteren Sprachgebrauch der breiten Bevölkerung des N-Wortes werben würden, nur, weil einzelne schwarze Künstler/Musiker das Wort für sich selbst als Reclaim nutzen: UNDENKBAR!

Aber ja, hier in Deutschland muss es natürlich eine Plattform dafür geben, die Menschen eine Diskussion erlaubt, weiterhin Fremdbezeichnungen nutzen zu dürfen, die einen Rassismus reproduzieren, von dem sie selbst nie betroffen waren und den sie wie so oft betont 'positiv konnotieren' und er deshalb für die Betroffenen ja auch nur ausschließlich als positiv empfunden werden sollte...

Liebe Medienmacher...An dieser Stelle wirklich die Frage, was man mit so einem Artikel bezwecken möchte. Möchte man den gewohnten Tonus 'DIE nennen sich doch selbst so' unbedingt beibehalten in völliger Ignoranz dessen, was Betroffene täglich unter diesem Begriff immer noch an Ausgrenzung und Benachteiligung erleben?

Wie wäre es damit, bei solchen Interviews trotzdem den Hinweis hinzuzufügen, dass die interviewte Person weder eine wichtige Instanz, noch anerkannter Fürsprecher für die Mehrheit der Betroffenen ist, er unter mehrfacher Erwähnung konträrer Positionen der Interessenverbände auch lediglich für sich selbst und seinen Dunstkreis/seine Branche spricht und es Außenstehenden deshalb noch lange nicht zusteht, diesen Begriff weiterhin als Bezeichnung für diese Menschen zu benutzen?

Was natürlich immernoch nicht meine Frage beantwortet, warum solche Positionen öffentlich beworben werden müssen trotz des Wissens um anhaltenden Antiziganismus in Deutschland. Zitat: ende.

Die Nazizeit ist ein Grund, warum Sinti und Roma diskriminierende Bezeichnungen ablehnen.

Gegenrede von Sinti aus Köln zu der Sinti Allianz Position zum Begriff "Zigeuner"

Gespräch mit Josef Schneeberger. C. Schneeberger/Mettbach. P. Schneebrger aus Köln. Marko Knudsen aus HH. Fatima Hartmann aus Köln.

Möchte hier was klarstellen. Die Mehrheit der Sinti und Roma in Köln und Umgebung möchten nicht das Z-Wort.

Vereinigung der Sinti und Roma für Mensch und Rechte Köln e.V.    „Z-Wort“

1.  DAS Z-WORT IST FREMDBEZEICHNUNG.  2. SCHEINHEILIG. 3. HINTERHÄLTIG.  4. ZIEHGAUNER.
5.  ABSCHAUM.    6.  VAGABUND.   7.   RASSISTISCH.
   8. KRIMINELL. 9. NOMADEN, USW.

ALS SINTO WIRD MAN GEBOREN. ALS ROMA WIRD MAN GEBOREN. NICHT ALS ZIGEUNER.

„Die Bezeichnung, Zigeuner‘ hingegen ist untrennbar verbunden mit rassistischen Zuschreibungen, die sich, über Jahrhunderte reproduziert, zu einem geschlossenen und aggressiven Feindbild verdichtet haben, das tief im kollektiven Bewusstsein verwurzelt ist. Ab dem 16. Jahrhundert setzte sich in Deutschland die (Irrige) Auffassung durch, „Zigeuner“ sei abgeleitet von „Ziehgauner“. Auch in einem der ersten Lexikonartikel zum Stichwort „Zigeuner“, 1848 im Brockhaus erschienen, wird dieser Zusammenhang explizit hergestellt. Dort findet man die ganze Palette negativer Stereotypen über unsere Minderheit aufgelistet, bis hin zu der Behauptung, „Zigeuner“ würden  Kinder stehlen. Noch in der 2. Auflage des Dudens sinn- und sachverwandter Wörter aus dem Jahr 1986 wird unter dem Stichwort „Zigeuner“ auf die Begriffe „Abschaum“ und „Vagabund“ verwiesen“ Definiert: „Beleidigung ist der rechtswidrige Angriff auf die Ehre der Sinti und Roma durch die vorsätzliche Kundgabe von Missachtung“.

Wir Müssen wachsam sein, unsere Stimme erheben, gegen Antiziganismus aufstehen gemeinsam unsere Demokratie verteidigen.


                                                            Nennt uns nicht Zigeuner!                                                    

                                                    Interview mit einem Sinto: Christian Rosenberg. 03.02.2021.

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                                        Warum die Sinti und Roma keine Zigeuner sind

 

Obwohl die meisten deutschen Sinti und Roma nicht „Zigeuner“ genannt   werden wollen, wird dieser Name in den Medien und in der Umgangssprache noch immer, in letzter Zeit sogar vermehrt verwendet. Dabei ist der Name „Zigeuner“ eine Fremdbezeichnung, er wird als Schimpfwort verwendet und trifft, was in der öffentlichen Diskussion übersehen wird, auf die heutigen Sinti und Roma in Deutschland nicht zu.

Link

                             Erläuterungen zum Begriff „Zigeuner“ Zentralrat Deutscher Sinti und Roma.

„Zigeuner“ ist eine von Klischees überlagerte Fremdbezeichnung der Mehrheitsgesellschaft, die von den meisten Angehörigen der Minderheit als diskriminierend abgelehnt wird – so haben sich die Sinti und Roma nämlich niemals selbst genannt. Die Durchsetzung der Eigenbezeichnung Sinti und Roma im öffentlichen Diskurs war von Anfang an ein zentrales Anliegen der Bürgerrechtsbewegung, die sich vor allem seit Ende der Siebzigerjahre in der Bundesrepublik formierte. Dadurch sollte zugleich ein Bewusstsein für jene Vorurteilsstrukturen und Ausgrenzungsmechanismen geschaffen werden, die im Stereotyp vom „Zigeuner“ ihre Wurzeln haben.

Begriff-Zigeuner, dient nur für Diskriminierung und Stigmatisierung.                                         

Der Zentralrat mit seinen angeschlossenen Landesverbänden, 17 Deutsche Sinti und Roma Organisationen.

Akzeptieren das rassistische Wort „Zigeuner“ für sich nicht.

Zuzüglich, über 30 anderen Sinti und Roma Organisationen, die nicht dem Zentralrat angeschlossen sind.

Akzeptieren das rassistische Wort „Zigeuner“ für sich auch nicht.

 

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                                                 Warum wir das nicht mehr hören wollen! „Zigeuner“

Wer kennt das nicht: „Das meinte ich doch nicht soo…“ oder „Sei doch nicht so empfindlich…“. Gerade unter Jugendlichen – aber nicht nur dort – ist der Umgang mit Sprache oft unachtsam. Da werden Schimpfwörter über den Schulhof geschmettert und in Redewendungen rassistische Stereotypen bedient, ohne darüber nachzudenken. Oft ist den Betreffenden auch nicht klar, wo das Wort eigentlich herkommt. Oder Beschimpfungen werden gezielt ausgesprochen, um dem Gegenüber klar zu machen, dass man ihn für minderwertig hält. Von dort ist es oft nur noch ein kleiner Schritt zu konkreten Taten.

Der Begriff „Zigeuner“ ist eine diskriminierende Fremdbezeichnung. Sinti und Roma haben sich selbst – in ihrer eigenen Sprache – nie als „Zigeuner“ bezeichnet. Dieses Wort existiert in unserer Sprache, dem Romanes, nicht. Einer besonderen Anmaßung kommt es gleich, wenn einige, einige Historiker und Autoren behaupten, dass die Eigenbezeichnung der Sinti und Roma eine „Umbenennung“, „neue Bezeichnung“ oder gar ein „Namenswechsel“ sei. Diese und ähnliche Thesen sind bestenfalls dazu geeignet, die Dominanz einer herrschenden Gesellschaft zu zementieren, die sich auf das Recht der Gewohnheit beruft und einer Minderheit auch auf diese Weise ihre vermeintliche Überlegenheit und Macht demonstriert

Rechtspopulisten, machen es sich zum Nutzen, dass einige wenige deutsche Sinti oder Roma, nichts gegen das Wort „Zigeuner“ haben.

Die Begründung, die Bezeichnung „Zigeuner“ müsse für zurückliegende Epochen beibehalten werden, um die historische Kontinuität und Realität zu verdeutlichen und im Weiteren auch aus Respekt vor denjenigen, die unter diesem Namen verfolgt wurden, zeugt von mangelnder Recherche und fehlenden Kenntnissen.

Der Begriff „Zigeuner“ ist immer –  noch oder schon wieder – eine diskriminierend gemeinte Fremdbezeichnung, derer sich viele Menschen der Mehrheitsbevölkerung und auch Rechtspublizisten bedienen oder auch bewusst bedienen wollen.

Wir Sinti & Roma, haben uns noch nie anders genannt als Sinti oder Roma.
In der Muttersprache gibt es das Wort nicht Zigeuner.

Über Generationen weitergegebene Vorurteile sowie ein erstarkender Rechtspopulismus machen es Minderheiten schwer, als gleichwertige Bevölkerungsgruppe wahrgenommen zu werden.

Hier handelt es sich nicht um eine Eigenbezeichnung der Roma und Sinti, sondern um eine abwertende Fremdbezeichnung, mit denen Sinti und Roma ausgegrenzt werden.

Unsere Vorfahren sind als Sinti und Roma verstorben, wie kann es dann sein das die Nachfahren als „Zigeuner“ sterben sollen.

Einige Menschen aus der  Mehrheitsgesellschaft entgegenhaben noch nie einen Unterschied zwischen Sinti, Roma, oder anderen Gruppen unserer Minderheit gemacht, sie haben alle Gruppen „Zigeuner“ genannt.

Wir lehne auch die neue Bezeichnung die jetzt einige unwissende Sinti und Roma  befürworten ab!

Als unsere Minderheit aus Indien nach Europa kam, haben sie sich in allen Staaten Europas verteilt, alle verschiedenen Gruppen haben aus ihren jeweiligen Staaten die Kulturen angenommen, was normal ist, wenn man 600 - 700 Jahre in ein Land lebt.

Es gibt keine schriftlichen Aufzeichnungen mit was für eine Kultur unsere Minderheit vor ca. 1000 Jahren nach Europa kam. Einige Ethnologen, Historiker und wie sie sich noch nennen, meinen alles über unsere Minderheit zu wissen, woher wissen sie alles?

Oder stützen Sie sich auf die alten Ammen Märchen, und Klischees die schon vor Jahrhunderten über unsere Minderheit verbreitet wurden, auch das abwertende Wort „Zigeuner“ bringen sie damit in Verbindung. 

Warum ist das Wort Zigeuner, für die meisten Sinti und Roma abwertend, diffamierend, oder sogar diskriminierend?
Obwohl das Wort nicht aus ihrer eigenen Sprache stammt, und sie selbst sich untereinander niemals so bezeichnen würden, haben wenige Sinti und Roma und im deutschsprachigen Raum gegen das Wort „Zigeuner“ keine Einwände.  

Von der Mehrheitsgesellschaft hingegen wird der Begriff unterschiedlich gebraucht. Manche unbelehrbaren verwenden das Wort „Zigeuner“ vorsätzlich als rassistische Bezeichnung für Sinti und Roma. Andere wiederum verwenden es ohne rassistische Absicht. Sie wissen es einfach nicht besser.

Wenn einige Sinti oder Roma das Wort „Zigeuner“ für sich akzeptieren! Dann tun sie es mit Sicherheit  nur wegen ihres Berufes, denn heute noch üben Sinti und Roma Berufe aus, die die Mehrheitsgesellschaft schon in der frühen Neuzeit für sich in Anspruch genommen haben.

Ihre Arbeit die sie schon seit Jahrhunderten mit großen handwerklichen Geschick als „Zigeuner“ betrieben haben, ist auch heute noch bei der Mehrheitsgesellschaft gefragt. Deshalb haben einige Sinti oder Roma  keine Einwände gegen dieses Wort.       

Dadurch ist es natürlich für Rechtspopulisten ein leichtes zu sagen! Den Sinti oder Roma sich selbst „Zigeuner“ nennen. Obwohl diese Menschen wissen, dass Sinti und Roma die nichts gegen das Wort „Zigeuner“ haben, sich untereinander nie so nennen würden.

Diese Hetzer verschweigen natürlich die wahren Hintergründe, im Gegenteil sie setzen noch eins drauf, indem sie behaupten das sich Sinti und Roma schon immer „Zigeuner“ genannt haben, sie  Rechtfertigen es damit, dass sie sagen man brauche nur an die Ungarische „Zigeuner“ Musik zu denken, die man schon seit Jahrhunderte so bezeichnet, oder an den „Zigeuner“ Jazz, auch beziehen sich einige Rechtspopulisten, die das diffamierende  Wort Zigeuner unbedingt rechtfertigen wollen, auf alte Plakate mit der Aufschrift, das Schnukenack Reinhardt Quintett Musik deutscher Zigeuner, oder den berühmten „Zigeuner“ Gitarristen Django Reinhardt. Schlagersängerin Alexandra die mit dem Gesangsstück „Zigeunerjunge“ zu Ruhm und Ehre gekommen ist, auch sie benennt man zur Rechtfertigung für das rassistische Wort „Zigeuner“.

Auch wird verwiesen auf die Wahrsagerinnen und Handleserinnen, die ja heute noch auf der Kirmes zu finden sind, und mit Wahrsagen ihren Lebensunterhalt bestreiten. Sie gelten als Alte „Zigeuner“

Frauen. Schon im Mittelalter wurden solche Frauen nicht selten als vermeintliche Hexen auf dem Scheiterhaufen verbrannt.     

Als Sinti und Roma vor ca.1000 Jahren aus Indien nach Europa einwanderten, kamen sie nicht als „Zigeuner“, denn „Zigeuner“ war nie ihre Eigenbezeichnung. Als Sinto wird man geboren, als  Roma  wird man geboren, als „Zigeuner“ wird man nicht geboren,  „Zigeuner“ ist ein Konstrukt  der Mehrheitsbevölkerung,  und wird in erster Linie  mit negativen Vorurteilen in Verbindung gebracht.

Im Mittelalter nannte man jeden, der keinen festen Wohnsitz hatte, erniedrigend einen „Zigeuner“. Auch Hausierer, Bettler, und Landstreicher gehörten dazu, all diese Menschen wurden mit diesem abwerteten Wort „Zigeuner“ erniedrigt und diffamiert.   

Auch zu Sinti und Roma hatte man im Mittelalter  „Zigeuner“ gesagt, denn sie waren immer mal wieder in ihren jeweiligen Ländern ausgegrenzt worden, deshalb waren sie gezwungen, mit ihren Familien umherzuziehen, und wurden dann von der Mehrheitsgesellschaft als Landfahrer, und Arbeitsscheue „Zigeuner“ dargestellt.

Sinti und Roma hatten Jahrhunderte keine Chance sich zu intrigieren, weil sie immer wieder vertrieben worden sind, aus diesem Grund hat die Mehrheitsbevölkerung sie über Jahrhunderte mit den abwerteten Wort „Zigeuner“ diffamiert, und ausgegrenzt. Da sie sich aber untereinander Sinti oder Roma nannten, und sie sich nicht gegen die Mehrheitsgesellschaft auflehnen konnten, hat sich das Wort Zigeuner in ihren Köpfen so verankert, das sie meinten, wir nennen uns ja nicht  untereinander so, und gegen die  Mehrheitsgesellschaft können wir uns sowieso nicht durchsetzen, so beließen sie es dabei.

Jahrhunderte musste unsere Minderheit dieses diffamierende Wort „Zigeuner“ von der Mehrheitsbevölkerung über sich ergehen lassen.

Die Deportation der Sinti und Roma war dann der Höhepunkt, 500000 Tausend Sinti und Roma sind dem  Nationalsozialismus  zum Opfer gefallen, sie bekamen das  Z,  für Zigeuner im Unterarm eintätowiert, bei  Neugeborenen  war der Unterarm zu klein,  deshalb hat man ihnen ein  Z für Zigeuner, in den Oberschenkel eintätowiert.

Unsere Menschen sind auf bestialischer weise von den Nazis ermordet worden, weil sie nach der NS-Ideologie als asoziale, minderwertige „Zigeuner“ Rasse abgestempelt wurden, und deshalb nach Auffassung der Nazis keine Berechtigung hatten, zu leben.

Es gibt keine Familie der Sinti und Roma die keine Opfer zu beklagen hätten.
Wie kann man vor diesem Hintergrund die Bezeichnung „Zigeuner“ befürworten? Diese Bezeichnung hat dazu beigetragen, dass viele Sinti und Roma ihre Eltern und Großeltern verloren haben, und ganze Familien ausgelöscht wurden.

Doch noch in der zweiten Auflage des Duden-Wörterbuchs „Sinne und sachverwandter Wörter“ aus dem Jahr 1986 wird unter dem Stichwort „Zigeuner“ auf die Begriffe „Abschaum“ und „Vagabund“ verwiesen. Die Liste derartiger Beispiele ließe sich beliebig fortsetzen.

Sie zeigen in aller Deutlichkeit:

Die Bezeichnung „Zigeuner“ ist untrennbar verbunden mit Rassistischen Zuschreibungen, die sich, über Jahrhunderte reproduziert, zu einen Geschlossenen und Aggressiven Feindbild verdichtet haben, das tief im kollektiven Bewusstsein verwurzelt ist. Längst hat sich das von bösartigen Vorurteilen wie von romantischen Klischees bestimmte Bild vom „Zigeuner“ das in unzähligen Romanen, Filmen, und Operetten Vervielfältig wurde (und immer noch wird), verselbstständigt. Als schillernde Projektionsfläche verrät es viel über die Fantasien, Ängste und wünsche derer aus, die es benutzen.

Mit der Lebensrealität der Sinti und Roma allerdings hat es nichts gemein.

Es ist daher sehr Verwunderlich, dass einige Menschen dafür plädieren, „Zigeuner“ als vermeintlich wertneutrale Sammelbezeichnung auch weiterhin für Sinti und Roma zu verwenden.
Die eigen Bezeichnung Sinti und Roma ist Wesentlicher Teil unserer Identität als Minderheit.
In unserer Pluralistischen Gesellschaft sollte dieses Ureigene Recht auf Selbstbestimmung Respektiert werden. 

Auch möchte Wir noch einmal an das niederschmetternde Urteil von 1956 des Bundesgerichtshofes erinnern! 

Zitat: 1956 bestätigten die höchsten deutschen Richter in ihrem Grundsatzurteil vom 7. Januar 1956 in krassen Worten.
Alle staatlichen Verfolgungsmaßnahmen vor 1943 seien legitim gewesen, weil sie von „Zigeunern durch eigene Asozialität, Kriminalität, und Wandertrieb“ selbst veranlasst gewesen seien.
 In einer Wesentlichen Passage im Urteil heißt es:
 „Sie neigen, wie es die Erfahrung zeigt, zu Kriminalität, besonders zu Diebstählen und Betrügereien.
Es fehlen ihnen vielfach die sittlichen Antriebe der Achtung vor fremden Eigentum, weil ihnen wie Primitiven Urmenschen ein ungehemmter Okkupationstrieb eigen ist.“Zitat: ende.

Man darf nicht darüber nachdenken, dieses beschämende Urteil vom höchsten deutschen Gericht ist 11 Jahre nach dem Nationalsozialismus gesprochen worden.
Nach diesem Urteil, und weiteren Benachteiligungen und Ausgrenzungen wurde den Sinti und Roma erst bewusst, welche Auswirkung das Wort „Zigeuner“ für sie hatte.

Bis in den 1980 Jahren haben Medien, Politik, und die Mehrheitsgesellschaft, immer nur im negativen über unsere Minderheit berichtet und geurteilt. Die Begründung, die Bezeichnung „Zigeuner“ müsse für zurückliegende Epochen beibehalten werden, um die historische Kontinuität und Realität zu verdeutlichen und im Weiteren auch aus Respekt vor denjenigen, die unter diesem Namen verfolgt wurden, zeugt von mangelnder Recherche und fehlenden Kenntnissen.

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                                                       12.05.1944. "Auf Wiedersehen im Himmel"

                                Kinderheim St. Josefspflege von Mulfingen, 39 Sintikindern. (Zigeuner-Kinder)


                  Deportation und Ermordung von Sintikindern in Auschwitz.                                                           


 Deportation und Ermordung von Sintikindern der St. Josefspflege von Mulfingen in Auschwitzauf dem         

                                 39 Sintikinder, mit den Z-Nr, für Zigeuner im Unterarm eintätowiert.